01 | Arbeitstitel
Digitale Orientierung und Sicherheit in weitläufigen Komplexen
Konzeption und Gestaltung einer Anwendung sowie eines Leitsystems am Fallbeispiel Klinikum Weiden
02 | Kurzbeschreibung
Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine App, deren Hauptfunktion die Routenführung innerhalb eines Gebäudes ist. Darüber hinaus soll sie durch individuell anpassbare Zusatzfunktionen Besucher:innen, Patient:innen und Mitarbeiter:innen im Klinikalltag unterstützen, Sicherheit vermitteln und individuelle Bedürfnisse berücksichtigen. Ziel ist es, Stress und Verwirrung zu reduzieren und zu einem angenehmeren Aufenthalt beizutragen. Um ein ganzheitliches Leitsystem zu schaffen, plane ich zusätzlich eine analoge Erweiterung, die sich gestalterisch an die App anlehnt. Diese besteht aus Schildern, Karten, Piktogrammen und einem Farbkonzept. So entsteht ein einheitliches, barrierefreies Orientierungssystem, das digital und analog ineinandergreift. Für die prototypische Umsetzung habe ich das Klinikum in Weiden in der Oberpfalz gewählt.
03 | Projektmanagement
Um meinem Projekt beziehungsweise dem Prozess der Entstehung des Projekts eine Struktur zu verleihen, habe ich einen Zeitplan erstellt. Diesen habe ich in drei unterschiedliche Teile geteilt: die Recherche, den Designprozess und die Dokumentation von all dem in Form der Thesis. Die Erarbeitung der Thesis habe ich in die einzelnen Unterpunkte Gliederung, Einleitung Theorie, Designprozess, Dokumentation und Evaluation, Fazit, Korrektur und Präsentation gegliedert. Zu der Recherche, welche vor allem Anfangs relevant war, zählte ich die Suche nach Literatur und Ereignissen, die mit außenstehenden Personen zu tun hatten, wie Umfragen, Interviews und User Testings. Den Designprozess unterteilte ich in fünf Phasen: Analysieren & Entdecken, Definieren, Design, Prototyping und Ausstellung. Mit dieser Vorgehensweise konnte ich einschätzen wie viel Zeit ich für welche Aufgabe beanspruchen sollte.
04 | Ausgangssituation, Problem & Lösung
Problemstellung
Sich in großen und komplexen Gebäuden zu orientieren stellt für viele Menschen bereits eine grundlegende Herausforderung dar. Wird diese Situation zusätzlich von Faktoren wie Stress, Zeitdruck, Unwohlsein oder emotionaler Belastung begleitet, verschärft sich das Orientierungsproblem erheblich. Besonders in Krankenhäusern treten diese Bedingungen häufig auf, da sich dort Patient:innen, Angehörige und Besucher:innen in Ausnahmesituationen befinden und gleichzeitig mit unbekannten räumlichen Strukturen konfrontiert sind. Zwar existieren in vielen Kliniken analoge Leitsysteme oder Lagepläne, diese sind jedoch nicht immer aktuell, übersichtlich oder intuitiv verständlich. Häufig bleibt nur die persönliche Nachfrage beim Personal, was zusätzliche Belastungen im Klinikalltag verursacht.
Trotz der hohen Relevanz für eine breite Zielgruppe weisen bestehende Orientierungssysteme in Krankenhäusern häufig gestalterische und funktionale Defizite auf. Dies zeigt sich unter anderem in mangelnder Barrierefreiheit, unklarer Wegeführung sowie einer fehlenden Verzahnung von analogen und digitalen Angeboten. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die zentrale Problemstellung dieser Bachelorarbeit: Wie kann ein multimediales, barrierearmes Leitsystem für Krankenhäuser gestaltet werden, das eine intuitive Navigation ermöglicht, das Sicherheitsempfinden der Nutzer:innen stärkt und gleichzeitig das Klinikpersonal entlastet?
Umfrage
Das Ziel für meine Umfrage war es einen Überblick über die jetzige Lage zu schaffen. Vor allem musste ich mich entscheiden für welches komplexe Gebäude ich die App beispielhaft gestalte, da es eigentlich ein Konzept ist, welches auslegbar auf alle komplexen Gebäude und Gelände ist. Auch für erste Funktionsbeschreibungen sollte die Umfrage eine Grundlage bilden.
Die Umfrage lief ungefähr zwei Wochen vom 15.10.2025 bis zum 27.10.2025, in welchen ich 45 Antworten erhalten habe. Geteilt habe ich die Umfrage auf Whatsapp und Instagram.
Konzeptbeschreibung
Zur Konzeptbeschreibung nutzte ich das Golden Circle Modell von Sinek:
Why: Um Stress, Verwirrung und organisatorische Probleme zu reduzieren und Nutzer:innen ein sicheres, intuitives Orientierungserlebnis zu bieten.
How: Durch eine modulare, übersichtliche und barrierefreie Nutzeroberfläche, die Orientierung, Sicherheit und Informationen kombiniert.
What: Eine App und ein Leitsystem für die Sicherheit und Orientierung im Klinikum Weiden.
Interview
Für die exemplarische Umsetzung meines Konzepts wollte ich mich auf ein konkretes Gebäude beziehungsweise Klinikum oder Krankenhaus beziehen. Deswegen führte ich am 03.11.2025 mit Herrn Pausewang, dem Geschäftsbereichsleiter Bau und Technik im Klinikum Weiden i.d.Opf., ein Interview. Er konnte mir in dem 40-minütigen Gespräch wichtige Informationen über das Klinikum und seinen Vorstellungen einer sinnvollen Anwendung in diesem Bereich erläutern.
Gebäudestruktur und aktuelle Herausforderungen
Das Klinikum in Weiden gehört zu der Kliniken Nordoberpfalz AG und wurde mit den Jahren immer weiter ausgebaut. So entstand eine komplexe Infrastruktur mit mehreren separaten Gebäuden, welche teilweise unterirdisch oder über Brücken miteinander verbunden sind. Es existieren zahlreise Eingänge für jedes Gebäude, was zu Verwirrung sowohl bei Besucher:innen, als auch bei Mitarbeiter:innen führen kann. Auch die anliegenden Parkplätze sind an verschiedenen Orten und Straßen, sodass der Weg in das Klinikum immer anders verlaufen kann. Das bestehende Leitsystem besteht aus Pfeilen, die in die jeweilige Richtung eines Bereiches deuten. Dieses sind in der Eingangshalle zu finden. Es gibt aktuell keine Lagepläne die für Besucher:innen zur Verfügung gestellt werden. Die Hauptorientierung erfolgt über die Nachfrage beim Personal. Auch Farben wurden eingesetzt, allerdings nicht konsistent.
Wahrnehmung und Bedürfnisse der Nutzergruppen
Herr Pausewang erzählt davon, dass die Personen, die das Krankenhaus betreten oft gestresst sind, sei es, weil eine nahestehende Person in einem schlechten Zustand ist, bei einer Geburt oder auch durch Zeitdruck. Daraus zieht er den Entschluss, dass Leitpunkte, wie Schilder oft übersehen werden. Betritt man das Gebäude als Patient, bewegt man sich selten selbstständig. Allerdings bewertet Pausewang die Funktion der Navigation bei längerem Aufenthalt als sinnvoll. Auch Mitarbeitende profitieren seiner Meinung nach von einer klaren Wegeführung, vor allem bei neuen oder hausübergreifenden Personen.
Konzeptvorschlag
Die Idee eines digitalen Leitsystems befürwortet Pausewang. Er schlägt ein „Haltestellenprinzip“ vor, bei dem Nutzer:innen zu bestimmten Punkten geführt werden, um die Orientierung und Weiterleitung von Patienten kontrollierter und sicherer zu gestalten. Die Kombination aus digitalen und analogen Elementen sieht Pausewang als sinnvoll, allerdings mit dem Fokus auf der App, da sie klar verständlicher und flexibler ist. Die Möglichkeit seinen eigenen Standort mit bestimmten Personen zu teilen und bei Notfällen eine Meldung an den Empfang oder Sicherheitsdienst zu schicken, befindet Pausewang für positiv. Besonders wertvoll für Besucher:innen und Patient:innen sieht er die Funktionen der Wegefindung, Besuchszeitenanzeige und Notfall- bzw. Evakuierungsanweisungen. Für Mitarbeiter:innen wäre die Integration der App in das geplante Intranet denkbar. Diese würde dann Funktionen wie den Raumfinder, Speiseplan, Raumbuchung und ein Veranstaltungskalender beinhalten.
Technische Rahmenbedingungen und Datenschutz
Das Klinikum bietet allen Besucher:innen ein stabiles Wlan, was hilfreich bei der Umsetzung einer solchen App wäre. Auch eine Erkennung der Patient:innen für eine individuelle Anmeldung durch das Bändchen, welches man beim Aufenthalt im Krankenhaus bekommt, wäre möglich. Herr Pausewang erklärt mir, dass die Bildschirme, die an den Krankenbetten auffindbar sind, einige neue Funktionen bekommen sollen, wie die Menüwahl, die Feedbackbögen und Aufklärungsunterlagen. Eine Verbindung zu diesem System wäre auch denkbar. Ein weiteres System in Entwicklung sind Patientenportale, die jetzt immer mehr eingesetzt werden sollen, damit sich Menschen schon vor ihren Terminen und Aufenthalten im Krankenhaus darüber informieren und mit Ärzten in die Kommunikation gehen können. Ein zentraler Punkt für mein Projekt ist der Hinweis, dass keine Patientendaten in der App eingesehen werden dürfen.
Zusammenfassung aller Erkentnisse:
Wettbewerbsanalyse
Die Entwicklung von Orientierungsapps ist keine neue Erfindung. Auf dem Markt kursieren zahlreiche Apps, die den Weg mit unterschiedlichsten Zusatzfunktionen und Zielgruppen anzeigen sollen. Während unter den außen Navigationsapps deutlich Google Maps die Führung übernimmt, sieht es im Indoornavigationsbereich so aus als gäbe es noch keine perfekte Lösung. Um rauszufinden was dem Markt noch fehlt, habe ich eine Wettbewerbsanalyse durchgeführt. Hierbei habe ich Indoor-Navigationsapps und Leitsysteme untersucht.
05 | Recherche, Inhalte & Quellen
Um meine gestalterischen Entscheidungen fundiert begründen zu können, habe ich eine umfassende Recherche durchgeführt. Zu Beginn habe ich mich mit der allgemeinen Situation auseinandergesetzt und darauf aufbauend eine Forschungsfrage entwickelt. Parallel dazu fanden verschiedene Brainstorming-Phasen statt, unter anderem zur Ausgestaltung des analogen Leitsystems.
Darüber hinaus wurde eine theoretische Grundlage geschaffen, indem ich Literatur zu den Themen Orientierung, Wayfinding und Navigationsweisen sowie zu Signaletik und Leitsystemen gelesen habe.
Außerdem habe ich eine Technikrecherche durchgeführt, um mögliche Umsetzungsformen eines solchen Systems zu untersuchen. Dabei habe ich mich unter anderem mit ARBIN beschäftigt, einem Projekt, das ähnlich zu meinem Konzept ist und für die Indoor Navigation in einem Krankenhaus entwickelt wurde. ARBIN arbeitet mit Augmented Reality sowie verschiedenen Methoden der Indoor Positionierung.
Ergänzend dazu habe ich weitere Fachliteratur herangezogen, die sich mit unterschiedlichen Verfahren der Positionsbestimmung auseinandersetzt und diese miteinander vergleicht, um deren Eignung für den Einsatz in komplexen Gebäuden bewerten zu können.
06 | Zielgruppenanalyse
Wertemodell nach Schwartz
Durch das Wertemodell von Schwartz konnte ich relevante Werteorientierungen herausfinden, die für meine Zielgruppe besonders bedeutend ist. Das Modell unterstützt dabei durch das Einfühlen in jeweilige Menschen, die ausgewählte Werte vertreten. So kann nachempfunden werden, wie sich die unterschiedlichen Personen fühlen, was sie denken und wie sie sich verhalten. Dadurch kann man Motivation und Erwartungen der Nutzer:innen besser verstehen.
Ich entschied mich für drei zentrale Werte, die für meine Zielgruppe besonders relevant sind:
Sicherheit: In stressigen Situationen, wie sie in Kliniken häufig vorkommen möchte man das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Hier kann man bei dem Wertemodell nach Schwartz noch in die persönliche Sicherheit unterscheiden.
Verlässlichkeit: Es soll Vertrauen in das Leitsystem und die App geschaffen werden, indem Informationen konsistent, eindeutig und nachvollziehbar dargestellt werden.
Verantwortung: Die App soll einen verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Nutzungssituationen und unterschiedlichen Bedürfnissen berücksichtigen.
Empathy Maps & Archteypen
Passend zu meiner Zielgruppe habe ich drei Archetypen und deren Bedürfnisse und Anforderungen an die App formuliert:
Die Unschuldige: schätzt klare Strukturen, empfindet die Orientierung in komplexen Gebäuden als herausfordernd -> Effizienz, Verlässlichkeit und die schnelle Verfügbarkeit von Informationen
Der Entdecker: möchte sich selbstständig orientieren und ist neugierig, egal bei welchem geistlichen und körperlichen Zustand -> Anwendung muss flexibel und anpassbar sein, um in unterschiedlichen Situationen und Belastungsgraden zu funktionieren
Der Fürsorgende: verantwortungsbewusst, steht unter emotionalem Druck -> schnelle, verständliche Informationen und stressfreie Orientierung
Ich verwende die Empathy Maps zusammen mit den definierten Archetypen als Basis für meinen weiteren Designprozess. Aus den Maps kann ich anschließend Eigenschaften der Nutzer:innen und Nutzungsgruppen ableiten
07 | Nutzungsgruppen & Personas
Nutzungsgruppen:
Für das Projekt wurden drei zentrale Nutzungsgruppen definiert: Besucher:innen, Patient:innen und Mitarbeitende. Sie unterscheiden sich in Nutzungskontext, Bedürfnissen und Anforderungen an das Leitsystem. Besucher:innen benötigen eine schnelle und verständliche Orientierung, oft unter Zeitdruck oder emotionaler Belastung. Die Bedürfnisse von Patient:innen variieren je nach Aufenthaltsdauer, Gesundheitszustand und Situation, weshalb die Anwendung flexibel und anpassbar gestaltet sein muss. Mitarbeitende bewegen sich routiniert im Klinikum und legen besonderen Wert auf Effizienz, Verlässlichkeit und den schnellen Zugriff auf Informationen. Diese Differenzierung ermöglicht eine gezielte Ausrichtung der App und des Leitsystems auf die unterschiedlichen Anforderungen im Klinikalltag.
Minimal Personas:
Um mich besser in die definierten Nutzungsgruppen hineinzuversetzen, habe ich mit Minimal Personas gearbeitet. Diese sind bewusst reduziert und enthalten Angaben zu Alter, Kurzbeschreibung, App-Nutzung sowie Zielen, Herausforderungen und Bedürfnissen. Zur besseren Veranschaulichung der Verhaltensweisen wurde jeder Persona ein Archetyp zugeordnet. Die Personas basieren auf den drei Nutzungsgruppen Besucher:innen, Patient:innen und Mitarbeitende.
Persona 1 ist eine 28-jährige Assistenzärztin, die sich trotz klarer Strukturen in komplexen Gebäuden schwer orientieren kann und die App zur effizienten Navigation nutzt. Persona 2 ist eine 55-jährige Besucherin, die sich unter emotionalem Druck befindet und zur Orientierung sowohl analoge Leitsysteme als auch die App verwendet. Persona 3 ist ein 42-jähriger Patient, der nach einer Operation einen Rollstuhl nutzt und sich dennoch selbstständig im Klinikum bewegen möchte.
08 | Use Cases, User Stories & User Journeys
Um die Bedürfnisse, Ziele und Nutzungssituationen der Personas besser zu verstehen und im Designprozess zu berücksichtigen, habe ich User Stories, Use Cases und User Journeys erstellt. Diese Methoden halfen dabei, Anforderungen nutzungsorientiert zu formulieren, typische Nutzungsszenarien abzubilden und Abläufe zu strukturieren. Durch die User Journeys konnten zudem emotionale Aspekte, Herausforderungen und relevante Berührungspunkte mit dem System sichtbar gemacht werden. So ließ sich erkennen, an welchen Stellen Unterstützung oder Optimierung erforderlich ist
09 | Funktionsbeschreibung & -bewertung
Durch die Nutzungsanalyse konnte ermittelt werden, welche Funktionen für die App sinnvoll und relevant sind. Zunächst waren weitere Funktionen wie ein Krisenmodus oder eine Patientenübersicht vorgesehen. Diese wurden jedoch zurückgestellt, da sich im Interview mit einem Mitarbeiter des Klinikums Weiden zeigte, dass hierfür bereits bestehende Systeme genutzt werden. Der Schwerpunkt der Anwendung liegt daher klar auf der Navigation. Auf dieser Grundlage wurde eine Funktionsbeschreibung erstellt und die relevanten Funktionen definiert.
Die finale Version der App umfasst ein einfaches Loginkonzept über Aktivierungscodes für Mitarbeitende und Patient:innen, während Besucher:innen die App ohne Registrierung in eingeschränktem Umfang nutzen können. Zentrales Element ist die Navigationsansicht mit Suchfunktion, Filtermöglichkeiten und einer zoombaren 2D-Karte mit Ebenen- und Stockwerksauswahl. Ergänzt wird die App durch eine Terminübersicht, Profilfunktionen zur Verwaltung persönlicher Daten und Zugriffsrechte sowie Möglichkeiten zur Standortfreigabe und zum Einsehen von Aufenthaltsstatus. In den Einstellungen können Berechtigungen, Benachrichtigungen und individuelle Navigationspräferenzen angepasst werden.
Ergänzend zur App wurde ein analoges Leitsystem konzipiert, das gestalterisch an die digitale Anwendung angelehnt ist und eigenständig funktioniert. Es umfasst Farbführungen, Übersichts- und Hängeschilder sowie optionale Touchscreens als interaktive Orientierungspunkte für Personen ohne Smartphone. Um die Umsetzung zu strukturieren, wurden die Funktionen nach Aufwand und Nutzen bewertet und entsprechend priorisiert. So konnten zunächst die Funktionen mit hohem Mehrwert fokussiert und schrittweise ausgearbeitet werden.
10 | Skizzen & Wireframes
Um in den Gestaltungsprozess einzusteigen, habe ich zunächst grobe Handskizzen erstellt, in denen grundlegende Interface-Elemente wie Buttons, Navigationsleisten und Schriftpositionen festgelegt wurden. Zudem wurden mögliche User Journeys skizziert, indem die einzelnen Use Cases Schritt für Schritt visualisiert und beschriftet wurden. Diese Skizzen dienten dazu, frühzeitig einen Überblick über die Struktur der Anwendung und die Anordnung der Funktionen zu gewinnen.
Auf dieser Grundlage wurden in Figma Wireframes erstellt und die Skizzen in klickbare Prototypen überführt. Mithilfe reduzierter, blockartiger Elemente ließ sich die User Journey effizient nachbauen und testen. Diese Vorgehensweise ermöglichte ein schnelles und strukturiertes Arbeiten, ohne sich zu früh mit gestalterischen Details zu befassen, und bot Raum, verschiedene Lösungsansätze auszuprobieren.
11 | Moodboards
Um eine visuelle Gestaltungsrichtung zu entwickeln, wurden drei deutlich unterschiedliche Moodboards erstellt. Diese dienten als Inspirationsgrundlage und ermöglichten es, verschiedene visuelle Wirkungen sowie Aspekte wie Verständlichkeit, Kontrast und Barrierefreiheit zu überprüfen. Ziel war es, die UX-Elemente bewusst simpel zu halten und eine intuitive Nutzung zu gewährleisten. Auf Basis der Moodboards wurden Designvarianten entwickelt, um deren visuelle Wirkung und Verständlichkeit zu testen.
Die Moodboards umfassten unterschiedliche gestalterische Ansätze, darunter einen Glasmorphism-Stil mit transparenten, abgerundeten Elementen, einen illustrativen Ansatz mit kräftigen Farben und vielfältigen Darstellungsformen sowie einen Papercut-Stil, bei dem durch Schatten ein klares Schichtensystem entsteht. Ergänzend wurden verschiedene Karten-Darstellungsformen untersucht, darunter eine AR-gestützte Navigation, eine klassische 2D-Karte sowie eine 3D-Kartenansicht, um unterschiedliche Grade an Übersichtlichkeit und räumlichem Verständnis zu vergleichen.
12 | Designvarianten
Ich habe verschiedene Designvarianten hinsichtlich Wirkung, Bedienbarkeit und Barrierefreiheit getestet. Designvariante 1 wirkt im Klinikkontext ruhig und modern. Die Glasoptik steht für Transparenz, erschwert jedoch eine barrierefreie Gestaltung, da durch den wechselnden Kartenhintergrund keine konstanten Kontraste gewährleistet werden können. Weiße Flächen erzeugen eine sterile Wirkung, lassen sich jedoch gut mit der Vielschichtigkeit eines Klinikums verknüpfen. Insgesamt ist die Variante funktional, erfordert aber farbliche Anpassungen für eine bessere Lesbarkeit.
Alle Varianten habe ich in Figma skizziert und getestet. Dabei habe ich unterschiedliche Farbpaletten, Kartenstile sowie verschiedene Sättigungen und Abstufungen der Farben erprobt. Zusätzlich habe ich mit Icons, Tags und der Beschriftung der Gebäude experimentiert, um die Orientierung zu verbessern. Auch bei den Moodboards habe ich mehrere Farbvarianten und unterschiedliche Kartenansätze getestet.
Neben der 2D- und 3D-Karte habe ich auch eine AR-Anwendung untersucht. Diese erwies sich als technisch am anspruchsvollsten und konnte aufgrund von Problemen beim Exportieren und Öffnen der App nicht weiterverfolgt werden. Die 2D-Karte ließ sich hingegen problemlos umsetzen und weiterentwickeln. Die 3D-Karte konnte ich mit Blender und dem BIM-Add-on Bonsai realisieren, was jedoch einen höheren zeitlichen und technischen Aufwand erforderte.
Zusätzlich habe ich verschiedene Navigationskonzepte getestet, darunter eine Bottom Navigation Bar und ein Burgermenü. Dabei habe ich auch mit unterschiedlichen Layouts gearbeitet, um eine möglichst intuitive und übersichtliche Nutzerführung zu erreichen.
13 | Testing
Um den Prototypen zu testen, habe ich User Testings durchgeführt. Herr Pausewang und ein Kollege klickten sich eigenständig durch die App und gaben positives Feedback: Die Anwendung sei intuitiv und erinnere an andere Apps. Einzig der Zoom mit zwei Fingern wurde zunächst versucht, was technisch nicht möglich ist. Inhaltlich gab es nur kleine Hinweise. Zusätzlich testeten Kommiliton:innen die User Journeys aus Designperspektive und gaben wertvolles Feedback zu Abständen, Funktionen und Ästhetik. Insgesamt waren die Ergebnisse zufriedenstellend und halfen bei den finalen Entscheidungen
14 | Styleguide
Die App INFEE basiert auf einer reduzierten, barrierearmen Gestaltung. Die UI nutzt eine ruhige Farbpalette mit Schwarz als Primärfarbe und pastelligen Akzentfarben, ergänzt durch Grau- und Blautöne für unterschiedliche Zustände. Die Karte besitzt ein eigenes, harmonisch abgestimmtes Farbsystem, das Gebäude, Ebenen und Funktionen klar unterscheidet.
Typografisch kommen die gut lesbare Roboto für digitale Inhalte und die Neue Frutiger World für Beschilderung zum Einsatz. Ein 12-spaltiges Raster sorgt für Struktur und Konsistenz. Icons fungieren als zentrale Informationsträger und sind bewusst einfach, gefüllt und klar gestaltet.
Die Karten sind als 2D-Ebenensystem aufgebaut und zeigen je nach Zoomstufe unterschiedliche Detailgrade bis hin zu Räumen und Gängen. Die Routenführung erfolgt visuell unterstützt durch Linien, Pfeile sowie optionalen 3D- und AR-Darstellungen.
Ein komponentenbasiertes UI-System mit abgerundeten Elementen, Bottom Sheets und klarer Navigation gewährleistet eine intuitive Bedienung. Das modulare Leitsystem überträgt Gestaltung, Farben und Typografie der App auf analoge Schilder und Touchscreens und schafft so ein durchgängiges, nachhaltiges und wiedererkennbares Orientierungssystem.
15 | Finales Design
Die App INFEE verbindet Orientierung und Information durch eine übersichtliche Nutzeroberfläche und wird vor Ort durch ein abgestimmtes Leitsystem ergänzt. Ziel ist es, Stress, Verwirrung und organisatorische Probleme zu reduzieren. Im Folgenden werden die zentralen Funktionen vorgestellt.
Der Login-Bereich ist entscheidend, da sich die Informationstiefe je nach Nutzergruppe unterscheidet. Mitarbeiter:innen und Patient:innen registrieren sich über einen Aktivierungscode, Besucher:innen können die App direkt nutzen. Bereits hier lassen sich Routen personalisieren und Datenschutzbedingungen akzeptieren.
Das Dashboard stellt die Karte als zentrales Element in den Fokus. Suchfunktion, Menü und wichtige Einstellungen sind klar strukturiert und schnell erreichbar. Ziele können über Suchleiste, Tags oder gespeicherte Orte gefunden werden, Ebenen, Gebäude und Standort lassen sich einfach wechseln.
Die Routenführung bietet zunächst einen Überblick über die gesamte Strecke. Start und Ziel können angepasst werden, zusätzliche Informationen und Funktionen wie Teilen oder Favorisieren sind über ein Bottom Sheet abrufbar.
Der eigene Standort kann live geteilt, gespeichert oder zur Orientierung anderer genutzt werden. Zusatzfunktionen wie Termine, Statusabfragen oder Kategoriesuchen sind modular aufgebaut und an den Nutzungskontext anpassbar. Im Klinikalltag ermöglichen sie unter anderem Terminorganisation für Mitarbeiter:innen und kontrollierten Informationszugang für Angehörige.
Das Leitsystem ist modular konzipiert und kombiniert analoge Schilder, digitale Touchscreens und die App zu einem durchgängigen Orientierungssystem. Es integriert sich zurückhaltend in die Architektur, ist barrierefrei nutzbar und nachhaltig gestaltet, sodass einzelne Elemente flexibel ausgetauscht werden können.
16 | Finaler Prototyp
App Figma-Link:
Anwendung Figma-Link:
17 | Screencast
18 | Präsentationsvideo
19 | Ausstellung